
Musterbeitrag
ReportageSilberhorn · Berner Oberland · 22. Dezember 2026
Zwölf Zimmer über dem Nebel
In Zusammenarbeit mit Berghaus Silberhorn und Silberhorn-Bergbahnen
Um 16.45 Uhr fährt die letzte Bahn ins Tal. Wer bleibt, hat den Berg für sich: eine Nacht im Berghaus Silberhorn, auf 1900 Metern, mit Käseschnitte, Sternenhimmel und der ersten Spur vor dem Frühstück.
Text Redaktion First TracksFotos Unsplash8 Min. LesezeitIm Heft · 4 Seiten →
Um 16.45 Uhr fährt die letzte Bahn ins Tal, und mit ihr verschwindet der Lärm. Die Skifahrer, die eben noch an der Bergstation standen, gleiten in ihren Kabinen davon, eine nach der anderen, bis das Seil still hängt. Dann ist da nur noch das Berghaus Silberhorn, ein Holzhaus auf 1900 Metern mit zwölf Zimmern und Licht in den Fenstern. Und vor dem Haus elf Gäste, die gerade verstanden haben, dass der Berg jetzt ihnen gehört.
Peter führt das Berghaus seit vierzehn Wintern, zusammen mit seiner Frau Sina, die in der Küche steht. Er empfängt die Gäste nicht an der Rezeption, denn es gibt keine, sondern an der Tür zum Skiraum, mit einem Handtuch über der Schulter und der Frage, ob alle ihre Kabine noch erwischt hätten, falls sie es sich anders überlegen wollten. Niemand will. «Das fragen wir jeden Abend», sagt Peter. «Es hat noch nie jemand Ja gesagt.»
Das Berghaus wurde 1931 gebaut, als Unterkunft für die Arbeiter, die damals die erste Bahn auf das Silberhorn errichteten. Später wurde es ein Skihaus, dann ein Massenlager, in dem in den Siebzigerjahren Schulklassen in Etagenbetten schliefen. Peter und Sina haben es vor vierzehn Jahren übernommen, als es leer stand und niemand mehr an Übernachtungen am Berg glaubte. Sie haben die Lager zu zwölf Zimmern umgebaut, jedes mit Arvenholz und einem Fenster zu den Gipfeln, und die Stube so gelassen, wie sie war. Die Holztische tragen noch die Kerben von Generationen von Taschenmessern.
Hinter dem Haus stehen drei Viertausender, so nah, dass man den Kopf in den Nacken legen muss. Im Abendlicht färben sich ihre Gipfel zuerst rosa, dann orange, dann ein tiefes Violett, und eine halbe Stunde lang steht die ganze Gästeschar mit Tee auf der Terrasse und schaut zu, als liefe ein Film, den man nicht verpassen darf.

Die Küche am Ende der Bahn
Alles, was im Berghaus gegessen wird, kommt mit der Bahn herauf. Jeden Morgen um sieben steht Sina an der Talstation und lädt Kisten in eine Kabine: Brot aus der Dorfbäckerei, Milch vom Hof unter der Mittelstation, Käse aus der Alpkäserei, deren Sennen sie seit Jahren kennt. Was nicht in die Kabine passt, gibt es eben nicht. Das Menü wird so zur Antwort auf eine einfache Frage: Was ist heute gut im Tal?
Am Abend ist es eine Gerstensuppe, dann die berühmte Käseschnitte des Hauses, mit Weisswein beträufelt, im Holzofen überbacken, bis der Käse Blasen wirft. Dazu ein Salat aus dem Keller, Kabis und Rüebli, mit einer Sauce, deren Rezept Sina nicht verrät. Zum Dessert Meringues mit Doppelrahm, wie es im Berner Oberland seit jeher Pflicht ist. Gegessen wird an zwei langen Tischen, und wer allein angereist ist, sitzt nach zehn Minuten mitten in einem Gespräch über die beste Abfahrt am Silberhorn.
Sina kocht allein, an einem Herd, der für zwölf Zimmer gerade gross genug ist. Sie hat in Hotels im Tal gelernt, in grossen Küchen mit langen Brigaden, und sagt, dass sie hier oben zum ersten Mal verstanden hat, was Kochen eigentlich ist. «Unten hast du alles, jederzeit. Hier oben hast du, was in die Kabine passt.» Wenn ein Gast eine Unverträglichkeit hat, muss sie es am Vortag wissen, sonst kommt das Richtige nicht mehr herauf. Die Gäste wissen das und schreiben es bei der Buchung dazu. Es ist eine kleine Form von Vertrauen, die in einem grossen Hotel niemand mehr braucht.


Wenn die Sterne kommen
Nach dem Essen löscht Peter die Lichter auf der Terrasse. Das gehört zum Abend wie die Käseschnitte. Ohne die Lampen des Hauses und ohne die Lichter aus dem Tal, die unter der Nebeldecke verschwinden, wird der Himmel so dunkel, wie man ihn im Mittelland nie sieht. Die Milchstrasse zieht sich als heller Schleier zwischen den Viertausendern hindurch. Wer lange genug in die Kälte schaut, sieht Sternschnuppen, an manchen Abenden ein Dutzend.
Peter hat ein Fernrohr, das er an klaren Abenden auf die Terrasse trägt, und eine Geschichte zu jedem Stern, den er zeigt. Die meisten hat er von einem Astronomen gelernt, der jedes Jahr im Januar eine Woche kommt und dafür die Rechnung mit Vorträgen bezahlt. Gegen zehn wird es zu kalt für die Geschichten. Dann sitzen die Gäste in der Stube um den Kachelofen, ein paar spielen Jass, andere lesen, und irgendwann geht einer nach dem anderen die knarrende Treppe hinauf.
Die Nacht am Berg ist anders als die Nacht im Tal. Man hört den Wind an den Fensterläden, manchmal das Knacken des Holzes in der Kälte, und gegen Mitternacht, wenn die Pistenfahrzeuge zur Arbeit fahren, ein fernes Brummen, das langsam näher kommt und wieder verschwindet. Wer nicht schlafen kann, sitzt in der Stube, wo der Kachelofen die ganze Nacht warm bleibt. Peter hat dort ein Regal mit Büchern über die Berge, über Erstbesteigungen und Lawinenwinter, und ein Gästebuch, das bis 1987 zurückreicht. Es ist voll mit Zeichnungen von Kindern, die heute selbst mit ihren Kindern kommen.
Die Spur vor dem Frühstück
Um halb acht am Morgen steht die Sonne noch hinter dem Grat, aber der Himmel ist schon hell. Die Pisten am Silberhorn sind frisch präpariert, und die Bahnen fahren erst in einer Stunde. Wer im Berghaus übernachtet, darf vorher hinunter, auf der Abfahrt bis zur Mittelstation, die die Pistenmaschinen in der Nacht gewalzt haben. Es ist das Privileg dieses Hauses, und es ist der Grund, warum viele Gäste jeden Winter wiederkommen.
Die Piste ist leer und glatt wie ein frisch gebügeltes Tuch. Die Kanten greifen, der Schnee knirscht, und der eigene Schatten fährt lang neben einem her. Unten an der Mittelstation steht der erste Bahnmitarbeiter und winkt, dann bringt er die Frühaufsteher mit einer Sonderfahrt wieder hinauf. Um halb neun sitzen alle beim Frühstück, mit roten Wangen, Birchermüesli und dem Gefühl, dass der Tag schon jetzt etwas Besonderes hatte.
Die erste Gondel aus dem Tal kommt um 8.45 Uhr an. Die neuen Gäste steigen aus, schnallen ihre Ski an und schauen auf die Piste, in der schon zwölf Spuren liegen. Sie wissen nicht, wer sie gezogen hat. Im Berghaus sitzen die Antworten beim zweiten Kaffee und schweigen.
Was es braucht
Ins Berghaus kommt man mit der Gondel der Silberhorn-Bergbahnen oder auf Ski, über die Piste von der Bergstation. Das Gepäck fährt in der Kabine mit, ein kleiner Rucksack genügt. Die Zimmer sind schlicht und warm, mit Arvenholz und Daunendecken, die Duschen liegen auf dem Gang. Wer ein Zimmer an den Wochenenden im Januar möchte, bucht früh, oft schon im Herbst.
Gut zu wissen
- Zimmer
- 12, mit Halbpension, Duschen auf dem Gang
- Anreise
- Letzte Bahn 16.45 Uhr oder auf Ski
- Preis
- Ab CHF 165 pro Person, mit Abendessen
- Mitbringen
- Warme Schicht für die Sternenstunde
Um 16.45 Uhr fährt die letzte Bahn ins Tal, und mit ihr verschwindet der Lärm. Die Skifahrer, die eben noch an der Bergstation standen, gleiten in ihren Kabinen davon, eine nach der anderen, bis das Seil still hängt. Dann ist da nur noch das Berghaus Silberhorn, ein Holzhaus auf 1900 Metern mit zwölf Zimmern und Licht in den Fenstern. Und vor dem Haus elf Gäste, die gerade verstanden haben, dass der Berg jetzt ihnen gehört.
Peter führt das Berghaus seit vierzehn Wintern, zusammen mit seiner Frau Sina, die in der Küche steht. Er empfängt die Gäste nicht an der Rezeption, denn es gibt keine, sondern an der Tür zum Skiraum, mit einem Handtuch über der Schulter und der Frage, ob alle ihre Kabine noch erwischt hätten, falls sie es sich anders überlegen wollten. Niemand will. «Das fragen wir jeden Abend», sagt Peter. «Es hat noch nie jemand Ja gesagt.»
Das Berghaus wurde 1931 gebaut, als Unterkunft für die Arbeiter, die damals die erste Bahn auf das Silberhorn errichteten. Später wurde es ein Skihaus, dann ein Massenlager, in dem in den Siebzigerjahren Schulklassen in Etagenbetten schliefen. Peter und Sina haben es vor vierzehn Jahren übernommen, als es leer stand und niemand mehr an Übernachtungen am Berg glaubte. Sie haben die Lager zu zwölf Zimmern umgebaut, jedes mit Arvenholz und einem Fenster zu den Gipfeln, und die Stube so gelassen, wie sie war. Die Holztische tragen noch die Kerben von Generationen von Taschenmessern.
Hinter dem Haus stehen drei Viertausender, so nah, dass man den Kopf in den Nacken legen muss. Im Abendlicht färben sich ihre Gipfel zuerst rosa, dann orange, dann ein tiefes Violett, und eine halbe Stunde lang steht die ganze Gästeschar mit Tee auf der Terrasse und schaut zu, als liefe ein Film, den man nicht verpassen darf.
- Höhe des Berghauses
- 1900 mHöhe des Berghauses
- Zimmer — mehr gibt es nicht
- 12Zimmer — mehr gibt es nicht
- Letzte Bahn. Danach ist man oben.
- 16.45Letzte Bahn. Danach ist man oben.
Die Küche am Ende der Bahn
Alles, was im Berghaus gegessen wird, kommt mit der Bahn herauf. Jeden Morgen um sieben steht Sina an der Talstation und lädt Kisten in eine Kabine: Brot aus der Dorfbäckerei, Milch vom Hof unter der Mittelstation, Käse aus der Alpkäserei, deren Sennen sie seit Jahren kennt. Was nicht in die Kabine passt, gibt es eben nicht. Das Menü wird so zur Antwort auf eine einfache Frage: Was ist heute gut im Tal?
Am Abend ist es eine Gerstensuppe, dann die berühmte Käseschnitte des Hauses, mit Weisswein beträufelt, im Holzofen überbacken, bis der Käse Blasen wirft. Dazu ein Salat aus dem Keller, Kabis und Rüebli, mit einer Sauce, deren Rezept Sina nicht verrät. Zum Dessert Meringues mit Doppelrahm, wie es im Berner Oberland seit jeher Pflicht ist. Gegessen wird an zwei langen Tischen, und wer allein angereist ist, sitzt nach zehn Minuten mitten in einem Gespräch über die beste Abfahrt am Silberhorn.
Sina kocht allein, an einem Herd, der für zwölf Zimmer gerade gross genug ist. Sie hat in Hotels im Tal gelernt, in grossen Küchen mit langen Brigaden, und sagt, dass sie hier oben zum ersten Mal verstanden hat, was Kochen eigentlich ist. «Unten hast du alles, jederzeit. Hier oben hast du, was in die Kabine passt.» Wenn ein Gast eine Unverträglichkeit hat, muss sie es am Vortag wissen, sonst kommt das Richtige nicht mehr herauf. Die Gäste wissen das und schreiben es bei der Buchung dazu. Es ist eine kleine Form von Vertrauen, die in einem grossen Hotel niemand mehr braucht.

Wenn die Sterne kommen
Nach dem Essen löscht Peter die Lichter auf der Terrasse. Das gehört zum Abend wie die Käseschnitte. Ohne die Lampen des Hauses und ohne die Lichter aus dem Tal, die unter der Nebeldecke verschwinden, wird der Himmel so dunkel, wie man ihn im Mittelland nie sieht. Die Milchstrasse zieht sich als heller Schleier zwischen den Viertausendern hindurch. Wer lange genug in die Kälte schaut, sieht Sternschnuppen, an manchen Abenden ein Dutzend.
Peter hat ein Fernrohr, das er an klaren Abenden auf die Terrasse trägt, und eine Geschichte zu jedem Stern, den er zeigt. Die meisten hat er von einem Astronomen gelernt, der jedes Jahr im Januar eine Woche kommt und dafür die Rechnung mit Vorträgen bezahlt. Gegen zehn wird es zu kalt für die Geschichten. Dann sitzen die Gäste in der Stube um den Kachelofen, ein paar spielen Jass, andere lesen, und irgendwann geht einer nach dem anderen die knarrende Treppe hinauf.
Die Nacht am Berg ist anders als die Nacht im Tal. Man hört den Wind an den Fensterläden, manchmal das Knacken des Holzes in der Kälte, und gegen Mitternacht, wenn die Pistenfahrzeuge zur Arbeit fahren, ein fernes Brummen, das langsam näher kommt und wieder verschwindet. Wer nicht schlafen kann, sitzt in der Stube, wo der Kachelofen die ganze Nacht warm bleibt. Peter hat dort ein Regal mit Büchern über die Berge, über Erstbesteigungen und Lawinenwinter, und ein Gästebuch, das bis 1987 zurückreicht. Es ist voll mit Zeichnungen von Kindern, die heute selbst mit ihren Kindern kommen.
«Am Abend gehört der Berg den Gästen. Am Morgen gehört er dem, der als Erster die Ski anschnallt.»


Die Spur vor dem Frühstück
Um halb acht am Morgen steht die Sonne noch hinter dem Grat, aber der Himmel ist schon hell. Die Pisten am Silberhorn sind frisch präpariert, und die Bahnen fahren erst in einer Stunde. Wer im Berghaus übernachtet, darf vorher hinunter, auf der Abfahrt bis zur Mittelstation, die die Pistenmaschinen in der Nacht gewalzt haben. Es ist das Privileg dieses Hauses, und es ist der Grund, warum viele Gäste jeden Winter wiederkommen.
Die Piste ist leer und glatt wie ein frisch gebügeltes Tuch. Die Kanten greifen, der Schnee knirscht, und der eigene Schatten fährt lang neben einem her. Unten an der Mittelstation steht der erste Bahnmitarbeiter und winkt, dann bringt er die Frühaufsteher mit einer Sonderfahrt wieder hinauf. Um halb neun sitzen alle beim Frühstück, mit roten Wangen, Birchermüesli und dem Gefühl, dass der Tag schon jetzt etwas Besonderes hatte.
Die erste Gondel aus dem Tal kommt um 8.45 Uhr an. Die neuen Gäste steigen aus, schnallen ihre Ski an und schauen auf die Piste, in der schon zwölf Spuren liegen. Sie wissen nicht, wer sie gezogen hat. Im Berghaus sitzen die Antworten beim zweiten Kaffee und schweigen.
Eine Nacht am Silberhorn
- 16.45Letzte Bahn ins Tal. Ab jetzt ist man unter sich.
- 17.15Alpenglühen auf der Terrasse, mit Tee aus der Küche.
- 19.00Gerstensuppe und Käseschnitte an den langen Tischen.
- 21.00Lichter aus, Fernrohr raus: Sterne über den Viertausendern.
- 7.30Erste Abfahrt auf der leeren Piste — vor dem Frühstück.

Was es braucht
Ins Berghaus kommt man mit der Gondel der Silberhorn-Bergbahnen oder auf Ski, über die Piste von der Bergstation. Das Gepäck fährt in der Kabine mit, ein kleiner Rucksack genügt. Die Zimmer sind schlicht und warm, mit Arvenholz und Daunendecken, die Duschen liegen auf dem Gang. Wer ein Zimmer an den Wochenenden im Januar möchte, bucht früh, oft schon im Herbst.
Gut zu wissen
- Zimmer
- 12, mit Halbpension, Duschen auf dem Gang
- Anreise
- Letzte Bahn 16.45 Uhr oder auf Ski
- Preis
- Ab CHF 165 pro Person, mit Abendessen
- Mitbringen
- Warme Schicht für die Sternenstunde
Unser Tipp
Ein Zimmer auf der Ostseite verlangen. Dort fällt das erste Licht auf die Viertausender direkt ins Fenster — man sieht es vom Bett aus.

Um 16.45 Uhr fährt die letzte Bahn ins Tal, und mit ihr verschwindet der Lärm. Die Skifahrer, die eben noch an der Bergstation standen, gleiten in ihren Kabinen davon, eine nach der anderen, bis das Seil still hängt. Dann ist da nur noch das Berghaus Silberhorn, ein Holzhaus auf 1900 Metern mit zwölf Zimmern und Licht in den Fenstern. Und vor dem Haus elf Gäste, die gerade verstanden haben, dass der Berg jetzt ihnen gehört.
Peter führt das Berghaus seit vierzehn Wintern, zusammen mit seiner Frau Sina, die in der Küche steht. Er empfängt die Gäste nicht an der Rezeption, denn es gibt keine, sondern an der Tür zum Skiraum, mit einem Handtuch über der Schulter und der Frage, ob alle ihre Kabine noch erwischt hätten, falls sie es sich anders überlegen wollten. Niemand will. «Das fragen wir jeden Abend», sagt Peter. «Es hat noch nie jemand Ja gesagt.»
Das Berghaus wurde 1931 gebaut, als Unterkunft für die Arbeiter, die damals die erste Bahn auf das Silberhorn errichteten. Später wurde es ein Skihaus, dann ein Massenlager, in dem in den Siebzigerjahren Schulklassen in Etagenbetten schliefen. Peter und Sina haben es vor vierzehn Jahren übernommen, als es leer stand und niemand mehr an Übernachtungen am Berg glaubte. Sie haben die Lager zu zwölf Zimmern umgebaut, jedes mit Arvenholz und einem Fenster zu den Gipfeln, und die Stube so gelassen, wie sie war. Die Holztische tragen noch die Kerben von Generationen von Taschenmessern.
Hinter dem Haus stehen drei Viertausender, so nah, dass man den Kopf in den Nacken legen muss. Im Abendlicht färben sich ihre Gipfel zuerst rosa, dann orange, dann ein tiefes Violett, und eine halbe Stunde lang steht die ganze Gästeschar mit Tee auf der Terrasse und schaut zu, als liefe ein Film, den man nicht verpassen darf.
- Höhe des Berghauses
- 1900 mHöhe des Berghauses
- Zimmer — mehr gibt es nicht
- 12Zimmer — mehr gibt es nicht
- Letzte Bahn. Danach ist man oben.
- 16.45Letzte Bahn. Danach ist man oben.

Die Küche am Ende der Bahn
Alles, was im Berghaus gegessen wird, kommt mit der Bahn herauf. Jeden Morgen um sieben steht Sina an der Talstation und lädt Kisten in eine Kabine: Brot aus der Dorfbäckerei, Milch vom Hof unter der Mittelstation, Käse aus der Alpkäserei, deren Sennen sie seit Jahren kennt. Was nicht in die Kabine passt, gibt es eben nicht. Das Menü wird so zur Antwort auf eine einfache Frage: Was ist heute gut im Tal?
Am Abend ist es eine Gerstensuppe, dann die berühmte Käseschnitte des Hauses, mit Weisswein beträufelt, im Holzofen überbacken, bis der Käse Blasen wirft. Dazu ein Salat aus dem Keller, Kabis und Rüebli, mit einer Sauce, deren Rezept Sina nicht verrät. Zum Dessert Meringues mit Doppelrahm, wie es im Berner Oberland seit jeher Pflicht ist. Gegessen wird an zwei langen Tischen, und wer allein angereist ist, sitzt nach zehn Minuten mitten in einem Gespräch über die beste Abfahrt am Silberhorn.
Sina kocht allein, an einem Herd, der für zwölf Zimmer gerade gross genug ist. Sie hat in Hotels im Tal gelernt, in grossen Küchen mit langen Brigaden, und sagt, dass sie hier oben zum ersten Mal verstanden hat, was Kochen eigentlich ist. «Unten hast du alles, jederzeit. Hier oben hast du, was in die Kabine passt.» Wenn ein Gast eine Unverträglichkeit hat, muss sie es am Vortag wissen, sonst kommt das Richtige nicht mehr herauf. Die Gäste wissen das und schreiben es bei der Buchung dazu. Es ist eine kleine Form von Vertrauen, die in einem grossen Hotel niemand mehr braucht.


Wenn die Sterne kommen
Nach dem Essen löscht Peter die Lichter auf der Terrasse. Das gehört zum Abend wie die Käseschnitte. Ohne die Lampen des Hauses und ohne die Lichter aus dem Tal, die unter der Nebeldecke verschwinden, wird der Himmel so dunkel, wie man ihn im Mittelland nie sieht. Die Milchstrasse zieht sich als heller Schleier zwischen den Viertausendern hindurch. Wer lange genug in die Kälte schaut, sieht Sternschnuppen, an manchen Abenden ein Dutzend.
Peter hat ein Fernrohr, das er an klaren Abenden auf die Terrasse trägt, und eine Geschichte zu jedem Stern, den er zeigt. Die meisten hat er von einem Astronomen gelernt, der jedes Jahr im Januar eine Woche kommt und dafür die Rechnung mit Vorträgen bezahlt. Gegen zehn wird es zu kalt für die Geschichten. Dann sitzen die Gäste in der Stube um den Kachelofen, ein paar spielen Jass, andere lesen, und irgendwann geht einer nach dem anderen die knarrende Treppe hinauf.
Die Nacht am Berg ist anders als die Nacht im Tal. Man hört den Wind an den Fensterläden, manchmal das Knacken des Holzes in der Kälte, und gegen Mitternacht, wenn die Pistenfahrzeuge zur Arbeit fahren, ein fernes Brummen, das langsam näher kommt und wieder verschwindet. Wer nicht schlafen kann, sitzt in der Stube, wo der Kachelofen die ganze Nacht warm bleibt. Peter hat dort ein Regal mit Büchern über die Berge, über Erstbesteigungen und Lawinenwinter, und ein Gästebuch, das bis 1987 zurückreicht. Es ist voll mit Zeichnungen von Kindern, die heute selbst mit ihren Kindern kommen.
Am Abend gehört der Berg den Gästen. Am Morgen gehört er dem, der als Erster die Ski anschnallt.

Die Spur vor dem Frühstück
Um halb acht am Morgen steht die Sonne noch hinter dem Grat, aber der Himmel ist schon hell. Die Pisten am Silberhorn sind frisch präpariert, und die Bahnen fahren erst in einer Stunde. Wer im Berghaus übernachtet, darf vorher hinunter, auf der Abfahrt bis zur Mittelstation, die die Pistenmaschinen in der Nacht gewalzt haben. Es ist das Privileg dieses Hauses, und es ist der Grund, warum viele Gäste jeden Winter wiederkommen.
Die Piste ist leer und glatt wie ein frisch gebügeltes Tuch. Die Kanten greifen, der Schnee knirscht, und der eigene Schatten fährt lang neben einem her. Unten an der Mittelstation steht der erste Bahnmitarbeiter und winkt, dann bringt er die Frühaufsteher mit einer Sonderfahrt wieder hinauf. Um halb neun sitzen alle beim Frühstück, mit roten Wangen, Birchermüesli und dem Gefühl, dass der Tag schon jetzt etwas Besonderes hatte.
Die erste Gondel aus dem Tal kommt um 8.45 Uhr an. Die neuen Gäste steigen aus, schnallen ihre Ski an und schauen auf die Piste, in der schon zwölf Spuren liegen. Sie wissen nicht, wer sie gezogen hat. Im Berghaus sitzen die Antworten beim zweiten Kaffee und schweigen.
Eine Nacht am Silberhorn
- 16.45Letzte Bahn ins Tal. Ab jetzt ist man unter sich.
- 17.15Alpenglühen auf der Terrasse, mit Tee aus der Küche.
- 19.00Gerstensuppe und Käseschnitte an den langen Tischen.
- 21.00Lichter aus, Fernrohr raus: Sterne über den Viertausendern.
- 7.30Erste Abfahrt auf der leeren Piste — vor dem Frühstück.
Was es braucht
Ins Berghaus kommt man mit der Gondel der Silberhorn-Bergbahnen oder auf Ski, über die Piste von der Bergstation. Das Gepäck fährt in der Kabine mit, ein kleiner Rucksack genügt. Die Zimmer sind schlicht und warm, mit Arvenholz und Daunendecken, die Duschen liegen auf dem Gang. Wer ein Zimmer an den Wochenenden im Januar möchte, bucht früh, oft schon im Herbst.
Unser Tipp
Ein Zimmer auf der Ostseite verlangen. Dort fällt das erste Licht auf die Viertausender direkt ins Fenster — man sieht es vom Bett aus.
Gut zu wissen
- Zimmer
- 12, mit Halbpension, Duschen auf dem Gang
- Anreise
- Letzte Bahn 16.45 Uhr oder auf Ski
- Preis
- Ab CHF 165 pro Person, mit Abendessen
- Mitbringen
- Warme Schicht für die Sternenstunde



