
Musterbeitrag
ReportageSonnenberg · Graubünden · 18. Dezember 2026
Warum die Sauna nach dem Skitag hilft
In Zusammenarbeit mit Bergquelle Spa und Hotel Bergkristall
Wärme, Kälte, Ruhe: was im Körper passiert, wenn man nach sechs Stunden Piste ins 34 Grad warme Wasser steigt — und warum die zehn Minuten danach die wichtigsten sind.
Text Redaktion First TracksFotos Unsplash8 Min. LesezeitIm Heft · 4 Seiten →
Nach sechs Stunden auf der Piste sind die Oberschenkel hart und der Kopf voll. Es ist 16 Uhr, die Sonne steht schon hinter dem Grat, und vor der Bergquelle dampft das Aussenbecken in die Kälte. Wer jetzt hineinsteigt, versteht in drei Sekunden, warum es dieses Ritual gibt.

Drei Schritte, die der Körper versteht
Die Bergquelle setzt auf ein einfaches Ritual. Zuerst ins 34 Grad warme Aussenbecken: Die Muskulatur entspannt sich, der Puls sinkt. Dann in die Bergsauna, 85 Grad, zehn bis zwölf Minuten. Dann kalt — Schnee, Tauchbecken oder einfach die Winterluft. Und dann das, was die meisten auslassen: zehn Minuten nichts.
Claudia ist seit elf Jahren Saunameisterin in der Bergquelle. Sie erkennt die Skifahrer am Gang, sagt sie: steife Schritte, Schultern oben, der Blick noch irgendwo am Hang. «Die ersten fünf Minuten im Wasser reden alle über die Abfahrt. Danach wird es still.» Ihr Aufguss um 17 Uhr ist der beliebteste des Tages, mit Arvenöl aus dem Tal und einem Handtuch, das sie schwingt, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Der Aufguss selbst dauert zwölf Minuten und folgt einer festen Ordnung. Zuerst die Kelle Wasser mit Arvenöl auf die Steine, dann das Zischen, dann die Welle aus Hitze, die von oben nach unten durch den Raum geht. Claudia wedelt die heisse Luft mit dem Handtuch zu jeder Bank, drei Runden, jede ein wenig stärker. Wer zum ersten Mal dabei ist, sitzt unten, wo es milder ist. Wer weiss, was kommt, sitzt oben und schliesst die Augen. Am Ende öffnet sie die Tür, und alle gehen hinaus in die Kälte, barfuss, ohne ein Wort.
Draussen liegt der Schnee knöcheltief zwischen den Lärchen. Die meisten bleiben nur ein paar Sekunden, reiben sich Arme und Gesicht mit Schnee ab und lachen dabei, weil es gar nicht anders geht. Wer mutiger ist, steigt ins Tauchbecken, das aus der Quelle gespeist wird und im Winter kaum zehn Grad hat. Danach ist der Körper hellwach und gleichzeitig vollkommen ruhig. Ein Zustand, für den es auf Deutsch kein gutes Wort gibt und den jeder kennt, der ihn einmal erlebt hat.


Warum das hilft, ist schnell erklärt: Wärme fördert die Durchblutung der beanspruchten Muskeln, der Wechsel zur Kälte trainiert die Gefässe, und die Ruhephase gibt dem Kreislauf Zeit, sich zu sammeln. Ein Wundermittel gegen Muskelkater ist die Sauna nicht — aber der Abend fühlt sich danach länger an.
Um diese Zeit ist das Licht am schönsten. Die Gipfel gegenüber werden erst orange, dann rosa, dann grau, und im Becken sitzen zwei Dutzend Menschen, die sich nicht kennen und trotzdem denselben Moment teilen. Ein Paar aus Basel, das jeden Abend kommt. Eine Gruppe Snowboarder, die erst laut ist und dann gar nicht mehr. Eine ältere Dame, die seit dreissig Wintern im Hochtal Ski fährt und jeden Aufguss mit einem leisen «So» beendet.

Vom Skiraum direkt ins Wasser
Dass das Ritual so einfach funktioniert, hat mit dem Weg zu tun. Die Bergquelle liegt zwischen der Talstation und dem Hotel Bergkristall, keine zweihundert Meter von beiden entfernt. Wer im Bergkristall wohnt, stellt die Ski in den Skiraum, zieht den Bademantel über und geht durch den verschneiten Garten hinüber. Wer im Dorf wohnt, zeigt an der Kasse den Skipass vom Tag: Ab 16 Uhr gilt er als Eintritt. Das Après-Ski-Ticket war eine gemeinsame Idee von Bahn, Hotel und Spa, und es hat den Nachmittag im Tal verändert. Früher endete der Skitag an der Bar. Heute endet er für viele im Wasser.
Die Bar gibt es natürlich noch, und sie ist auch nicht leerer geworden. Aber die Leute kommen später, sagt der Barkeeper im Bergkristall, und sie bleiben kürzer. «Sie bestellen Tee statt Schnaps und gehen um zehn ins Bett. Ich weiss nicht, ob das gut ist fürs Geschäft. Aber für den nächsten Morgen ist es bestimmt gut.»
Was dabei im Körper passiert
In der Hitze weiten sich die Blutgefässe, das Herz schlägt schneller, die Haut wird stärker durchblutet. Die Muskulatur, die den ganzen Tag gegen Schläge und Kälte gearbeitet hat, kann loslassen. Im kalten Wasser oder im Schnee ziehen sich die Gefässe danach schlagartig zusammen. Dieser Wechsel ist das eigentliche Training: für den Kreislauf, nicht für die Muskeln. Und die Ruhe danach ist kein Luxus, sondern Teil der Sache: Erst wenn der Puls wieder unten ist, merkt man, wie müde man eigentlich war. Viele schlafen im Ruheraum für ein paar Minuten ein. Claudia weckt niemanden. «Wer hier einschläft, hat alles richtig gemacht.»
Die häufigsten Fehler sind schnell aufgezählt. Zu wenig trinken, denn nach einem Skitag fehlt dem Körper ohnehin Flüssigkeit. Zu lange bleiben, weil es gerade so angenehm ist. Und die Ruhe weglassen, weil der Tisch im Restaurant reserviert ist. Wer erkältet ist oder Fieber hat, lässt die Sauna ganz aus. «Zwei Gänge reichen nach dem Skifahren», sagt Claudia. «Drei sind schon Ehrgeiz. Und Ehrgeiz hatten die Leute heute genug.»
Wer es ruhiger mag, geht nicht in die grosse Bergsauna, sondern in die Fasssauna im Wald. Sie hat Platz für sechs Personen, ein kleines Fenster zum Hang und einen Holzofen, den man selbst nachlegt. Kein Aufguss nach Plan, kein Saunameister, nur das Knacken des Feuers und der Schnee, der vom Dach rutscht. Am frühen Abend, wenn es dunkel wird, sieht man von hier aus die Lichter der Pistenfahrzeuge, die den Hang für den nächsten Tag vorbereiten.
Ein Bad mit Geschichte
Die Quelle, nach der das Spa benannt ist, war lange vor den Skifahrern da. Schon um 1900 kamen Kurgäste ins Hochtal, um im warmen Wasser zu baden, das am Hang über dem Dorf aus dem Fels tritt. Das alte Badehaus steht noch, heute ist darin der Ruheraum mit dem grossen Fenster. Die Fasssauna im Wald kam erst vor ein paar Jahren dazu, gebaut aus Lärchen, die beim Ausbau der Talabfahrt gefällt werden mussten.
Was geblieben ist, ist die Idee: dass man nach einem Tag draussen einen Ort braucht, an dem nichts mehr verlangt wird. Kein Programm, keine Musik, kein Bildschirm. Nur Wärme, Kälte und die Zeit dazwischen. Im Ruheraum liegt eine Wolldecke auf jeder Liege, auf dem Tisch steht Tee aus Bergkräutern, und das Fenster zeigt den Hang, den man vor drei Stunden noch hinuntergefahren ist.
Um halb sieben gehen die meisten zurück ins Hotel, mit nassen Haaren und roten Wangen. Die Snowboarder diskutieren schon die Abfahrt von morgen, das Paar aus Basel hält sich an den Händen, die ältere Dame sagt an der Tür ein letztes «So». Draussen schneit es wieder. Morgen wird der Hang neu sein, und am späten Nachmittag dampft das Becken wieder in die Kälte.
Gut zu wissen
- Öffnung
- 10–21 Uhr, Aufguss jede volle Stunde
- Wasser
- 34 °C, Aussenbecken mit Bergblick
- Saunen
- 4, davon eine Fasssauna im Wald
- Hinweis
- Nach dem Skitag zuerst trinken, dann schwitzen
Nach sechs Stunden auf der Piste sind die Oberschenkel hart und der Kopf voll. Es ist 16 Uhr, die Sonne steht schon hinter dem Grat, und vor der Bergquelle dampft das Aussenbecken in die Kälte. Wer jetzt hineinsteigt, versteht in drei Sekunden, warum es dieses Ritual gibt.
Drei Schritte, die der Körper versteht
Die Bergquelle setzt auf ein einfaches Ritual. Zuerst ins 34 Grad warme Aussenbecken: Die Muskulatur entspannt sich, der Puls sinkt. Dann in die Bergsauna, 85 Grad, zehn bis zwölf Minuten. Dann kalt — Schnee, Tauchbecken oder einfach die Winterluft. Und dann das, was die meisten auslassen: zehn Minuten nichts.
Claudia ist seit elf Jahren Saunameisterin in der Bergquelle. Sie erkennt die Skifahrer am Gang, sagt sie: steife Schritte, Schultern oben, der Blick noch irgendwo am Hang. «Die ersten fünf Minuten im Wasser reden alle über die Abfahrt. Danach wird es still.» Ihr Aufguss um 17 Uhr ist der beliebteste des Tages, mit Arvenöl aus dem Tal und einem Handtuch, das sie schwingt, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Der Aufguss selbst dauert zwölf Minuten und folgt einer festen Ordnung. Zuerst die Kelle Wasser mit Arvenöl auf die Steine, dann das Zischen, dann die Welle aus Hitze, die von oben nach unten durch den Raum geht. Claudia wedelt die heisse Luft mit dem Handtuch zu jeder Bank, drei Runden, jede ein wenig stärker. Wer zum ersten Mal dabei ist, sitzt unten, wo es milder ist. Wer weiss, was kommt, sitzt oben und schliesst die Augen. Am Ende öffnet sie die Tür, und alle gehen hinaus in die Kälte, barfuss, ohne ein Wort.
Draussen liegt der Schnee knöcheltief zwischen den Lärchen. Die meisten bleiben nur ein paar Sekunden, reiben sich Arme und Gesicht mit Schnee ab und lachen dabei, weil es gar nicht anders geht. Wer mutiger ist, steigt ins Tauchbecken, das aus der Quelle gespeist wird und im Winter kaum zehn Grad hat. Danach ist der Körper hellwach und gleichzeitig vollkommen ruhig. Ein Zustand, für den es auf Deutsch kein gutes Wort gibt und den jeder kennt, der ihn einmal erlebt hat.
- Aussenbecken
- 34 °CAussenbecken
- Bergsauna
- 85 °CBergsauna
- Ruhe danach — der wichtigste Teil
- 10 Min.Ruhe danach — der wichtigste Teil

«Die Leute kommen wegen der Wärme. Wiederkommen tun sie wegen der Stille danach.»
Warum das hilft, ist schnell erklärt: Wärme fördert die Durchblutung der beanspruchten Muskeln, der Wechsel zur Kälte trainiert die Gefässe, und die Ruhephase gibt dem Kreislauf Zeit, sich zu sammeln. Ein Wundermittel gegen Muskelkater ist die Sauna nicht — aber der Abend fühlt sich danach länger an.
Um diese Zeit ist das Licht am schönsten. Die Gipfel gegenüber werden erst orange, dann rosa, dann grau, und im Becken sitzen zwei Dutzend Menschen, die sich nicht kennen und trotzdem denselben Moment teilen. Ein Paar aus Basel, das jeden Abend kommt. Eine Gruppe Snowboarder, die erst laut ist und dann gar nicht mehr. Eine ältere Dame, die seit dreissig Wintern im Hochtal Ski fährt und jeden Aufguss mit einem leisen «So» beendet.


Vom Skiraum direkt ins Wasser
Dass das Ritual so einfach funktioniert, hat mit dem Weg zu tun. Die Bergquelle liegt zwischen der Talstation und dem Hotel Bergkristall, keine zweihundert Meter von beiden entfernt. Wer im Bergkristall wohnt, stellt die Ski in den Skiraum, zieht den Bademantel über und geht durch den verschneiten Garten hinüber. Wer im Dorf wohnt, zeigt an der Kasse den Skipass vom Tag: Ab 16 Uhr gilt er als Eintritt. Das Après-Ski-Ticket war eine gemeinsame Idee von Bahn, Hotel und Spa, und es hat den Nachmittag im Tal verändert. Früher endete der Skitag an der Bar. Heute endet er für viele im Wasser.
Die Bar gibt es natürlich noch, und sie ist auch nicht leerer geworden. Aber die Leute kommen später, sagt der Barkeeper im Bergkristall, und sie bleiben kürzer. «Sie bestellen Tee statt Schnaps und gehen um zehn ins Bett. Ich weiss nicht, ob das gut ist fürs Geschäft. Aber für den nächsten Morgen ist es bestimmt gut.»
Was dabei im Körper passiert
In der Hitze weiten sich die Blutgefässe, das Herz schlägt schneller, die Haut wird stärker durchblutet. Die Muskulatur, die den ganzen Tag gegen Schläge und Kälte gearbeitet hat, kann loslassen. Im kalten Wasser oder im Schnee ziehen sich die Gefässe danach schlagartig zusammen. Dieser Wechsel ist das eigentliche Training: für den Kreislauf, nicht für die Muskeln. Und die Ruhe danach ist kein Luxus, sondern Teil der Sache: Erst wenn der Puls wieder unten ist, merkt man, wie müde man eigentlich war. Viele schlafen im Ruheraum für ein paar Minuten ein. Claudia weckt niemanden. «Wer hier einschläft, hat alles richtig gemacht.»
Die häufigsten Fehler sind schnell aufgezählt. Zu wenig trinken, denn nach einem Skitag fehlt dem Körper ohnehin Flüssigkeit. Zu lange bleiben, weil es gerade so angenehm ist. Und die Ruhe weglassen, weil der Tisch im Restaurant reserviert ist. Wer erkältet ist oder Fieber hat, lässt die Sauna ganz aus. «Zwei Gänge reichen nach dem Skifahren», sagt Claudia. «Drei sind schon Ehrgeiz. Und Ehrgeiz hatten die Leute heute genug.»
Wer es ruhiger mag, geht nicht in die grosse Bergsauna, sondern in die Fasssauna im Wald. Sie hat Platz für sechs Personen, ein kleines Fenster zum Hang und einen Holzofen, den man selbst nachlegt. Kein Aufguss nach Plan, kein Saunameister, nur das Knacken des Feuers und der Schnee, der vom Dach rutscht. Am frühen Abend, wenn es dunkel wird, sieht man von hier aus die Lichter der Pistenfahrzeuge, die den Hang für den nächsten Tag vorbereiten.
Ein Bad mit Geschichte
Die Quelle, nach der das Spa benannt ist, war lange vor den Skifahrern da. Schon um 1900 kamen Kurgäste ins Hochtal, um im warmen Wasser zu baden, das am Hang über dem Dorf aus dem Fels tritt. Das alte Badehaus steht noch, heute ist darin der Ruheraum mit dem grossen Fenster. Die Fasssauna im Wald kam erst vor ein paar Jahren dazu, gebaut aus Lärchen, die beim Ausbau der Talabfahrt gefällt werden mussten.
Was geblieben ist, ist die Idee: dass man nach einem Tag draussen einen Ort braucht, an dem nichts mehr verlangt wird. Kein Programm, keine Musik, kein Bildschirm. Nur Wärme, Kälte und die Zeit dazwischen. Im Ruheraum liegt eine Wolldecke auf jeder Liege, auf dem Tisch steht Tee aus Bergkräutern, und das Fenster zeigt den Hang, den man vor drei Stunden noch hinuntergefahren ist.
Um halb sieben gehen die meisten zurück ins Hotel, mit nassen Haaren und roten Wangen. Die Snowboarder diskutieren schon die Abfahrt von morgen, das Paar aus Basel hält sich an den Händen, die ältere Dame sagt an der Tür ein letztes «So». Draussen schneit es wieder. Morgen wird der Hang neu sein, und am späten Nachmittag dampft das Becken wieder in die Kälte.
Der perfekte Spätnachmittag
- 16.00Letzte Abfahrt, Ski in den Skiraum des Bergkristall.
- 16.15Im Bademantel hinüber — das Après-Ski-Ticket gilt mit dem Skipass vom Tag.
- 16.30Aussenbecken, 34 Grad, Schneeflocken im Gesicht.
- 17.00Aufguss in der Bergsauna, danach in den Schnee.
- 17.30Ruheraum. Tee. Nichts.

Gut zu wissen
- Öffnung
- 10–21 Uhr, Aufguss jede volle Stunde
- Wasser
- 34 °C, Aussenbecken mit Bergblick
- Saunen
- 4, davon eine Fasssauna im Wald
- Hinweis
- Nach dem Skitag zuerst trinken, dann schwitzen

Nach sechs Stunden auf der Piste sind die Oberschenkel hart und der Kopf voll. Es ist 16 Uhr, die Sonne steht schon hinter dem Grat, und vor der Bergquelle dampft das Aussenbecken in die Kälte. Wer jetzt hineinsteigt, versteht in drei Sekunden, warum es dieses Ritual gibt.

Drei Schritte, die der Körper versteht
Die Bergquelle setzt auf ein einfaches Ritual. Zuerst ins 34 Grad warme Aussenbecken: Die Muskulatur entspannt sich, der Puls sinkt. Dann in die Bergsauna, 85 Grad, zehn bis zwölf Minuten. Dann kalt — Schnee, Tauchbecken oder einfach die Winterluft. Und dann das, was die meisten auslassen: zehn Minuten nichts.
Claudia ist seit elf Jahren Saunameisterin in der Bergquelle. Sie erkennt die Skifahrer am Gang, sagt sie: steife Schritte, Schultern oben, der Blick noch irgendwo am Hang. «Die ersten fünf Minuten im Wasser reden alle über die Abfahrt. Danach wird es still.» Ihr Aufguss um 17 Uhr ist der beliebteste des Tages, mit Arvenöl aus dem Tal und einem Handtuch, das sie schwingt, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Der Aufguss selbst dauert zwölf Minuten und folgt einer festen Ordnung. Zuerst die Kelle Wasser mit Arvenöl auf die Steine, dann das Zischen, dann die Welle aus Hitze, die von oben nach unten durch den Raum geht. Claudia wedelt die heisse Luft mit dem Handtuch zu jeder Bank, drei Runden, jede ein wenig stärker. Wer zum ersten Mal dabei ist, sitzt unten, wo es milder ist. Wer weiss, was kommt, sitzt oben und schliesst die Augen. Am Ende öffnet sie die Tür, und alle gehen hinaus in die Kälte, barfuss, ohne ein Wort.
Draussen liegt der Schnee knöcheltief zwischen den Lärchen. Die meisten bleiben nur ein paar Sekunden, reiben sich Arme und Gesicht mit Schnee ab und lachen dabei, weil es gar nicht anders geht. Wer mutiger ist, steigt ins Tauchbecken, das aus der Quelle gespeist wird und im Winter kaum zehn Grad hat. Danach ist der Körper hellwach und gleichzeitig vollkommen ruhig. Ein Zustand, für den es auf Deutsch kein gutes Wort gibt und den jeder kennt, der ihn einmal erlebt hat.
- Aussenbecken
- 34 °CAussenbecken
- Bergsauna
- 85 °CBergsauna
- Ruhe danach — der wichtigste Teil
- 10 Min.Ruhe danach — der wichtigste Teil


Die Leute kommen wegen der Wärme. Wiederkommen tun sie wegen der Stille danach.
Warum das hilft, ist schnell erklärt: Wärme fördert die Durchblutung der beanspruchten Muskeln, der Wechsel zur Kälte trainiert die Gefässe, und die Ruhephase gibt dem Kreislauf Zeit, sich zu sammeln. Ein Wundermittel gegen Muskelkater ist die Sauna nicht — aber der Abend fühlt sich danach länger an.
Um diese Zeit ist das Licht am schönsten. Die Gipfel gegenüber werden erst orange, dann rosa, dann grau, und im Becken sitzen zwei Dutzend Menschen, die sich nicht kennen und trotzdem denselben Moment teilen. Ein Paar aus Basel, das jeden Abend kommt. Eine Gruppe Snowboarder, die erst laut ist und dann gar nicht mehr. Eine ältere Dame, die seit dreissig Wintern im Hochtal Ski fährt und jeden Aufguss mit einem leisen «So» beendet.

Vom Skiraum direkt ins Wasser
Dass das Ritual so einfach funktioniert, hat mit dem Weg zu tun. Die Bergquelle liegt zwischen der Talstation und dem Hotel Bergkristall, keine zweihundert Meter von beiden entfernt. Wer im Bergkristall wohnt, stellt die Ski in den Skiraum, zieht den Bademantel über und geht durch den verschneiten Garten hinüber. Wer im Dorf wohnt, zeigt an der Kasse den Skipass vom Tag: Ab 16 Uhr gilt er als Eintritt. Das Après-Ski-Ticket war eine gemeinsame Idee von Bahn, Hotel und Spa, und es hat den Nachmittag im Tal verändert. Früher endete der Skitag an der Bar. Heute endet er für viele im Wasser.
Die Bar gibt es natürlich noch, und sie ist auch nicht leerer geworden. Aber die Leute kommen später, sagt der Barkeeper im Bergkristall, und sie bleiben kürzer. «Sie bestellen Tee statt Schnaps und gehen um zehn ins Bett. Ich weiss nicht, ob das gut ist fürs Geschäft. Aber für den nächsten Morgen ist es bestimmt gut.»
Was dabei im Körper passiert
In der Hitze weiten sich die Blutgefässe, das Herz schlägt schneller, die Haut wird stärker durchblutet. Die Muskulatur, die den ganzen Tag gegen Schläge und Kälte gearbeitet hat, kann loslassen. Im kalten Wasser oder im Schnee ziehen sich die Gefässe danach schlagartig zusammen. Dieser Wechsel ist das eigentliche Training: für den Kreislauf, nicht für die Muskeln. Und die Ruhe danach ist kein Luxus, sondern Teil der Sache: Erst wenn der Puls wieder unten ist, merkt man, wie müde man eigentlich war. Viele schlafen im Ruheraum für ein paar Minuten ein. Claudia weckt niemanden. «Wer hier einschläft, hat alles richtig gemacht.»
Die häufigsten Fehler sind schnell aufgezählt. Zu wenig trinken, denn nach einem Skitag fehlt dem Körper ohnehin Flüssigkeit. Zu lange bleiben, weil es gerade so angenehm ist. Und die Ruhe weglassen, weil der Tisch im Restaurant reserviert ist. Wer erkältet ist oder Fieber hat, lässt die Sauna ganz aus. «Zwei Gänge reichen nach dem Skifahren», sagt Claudia. «Drei sind schon Ehrgeiz. Und Ehrgeiz hatten die Leute heute genug.»
Wer es ruhiger mag, geht nicht in die grosse Bergsauna, sondern in die Fasssauna im Wald. Sie hat Platz für sechs Personen, ein kleines Fenster zum Hang und einen Holzofen, den man selbst nachlegt. Kein Aufguss nach Plan, kein Saunameister, nur das Knacken des Feuers und der Schnee, der vom Dach rutscht. Am frühen Abend, wenn es dunkel wird, sieht man von hier aus die Lichter der Pistenfahrzeuge, die den Hang für den nächsten Tag vorbereiten.
Ein Bad mit Geschichte
Die Quelle, nach der das Spa benannt ist, war lange vor den Skifahrern da. Schon um 1900 kamen Kurgäste ins Hochtal, um im warmen Wasser zu baden, das am Hang über dem Dorf aus dem Fels tritt. Das alte Badehaus steht noch, heute ist darin der Ruheraum mit dem grossen Fenster. Die Fasssauna im Wald kam erst vor ein paar Jahren dazu, gebaut aus Lärchen, die beim Ausbau der Talabfahrt gefällt werden mussten.
Was geblieben ist, ist die Idee: dass man nach einem Tag draussen einen Ort braucht, an dem nichts mehr verlangt wird. Kein Programm, keine Musik, kein Bildschirm. Nur Wärme, Kälte und die Zeit dazwischen. Im Ruheraum liegt eine Wolldecke auf jeder Liege, auf dem Tisch steht Tee aus Bergkräutern, und das Fenster zeigt den Hang, den man vor drei Stunden noch hinuntergefahren ist.
Um halb sieben gehen die meisten zurück ins Hotel, mit nassen Haaren und roten Wangen. Die Snowboarder diskutieren schon die Abfahrt von morgen, das Paar aus Basel hält sich an den Händen, die ältere Dame sagt an der Tür ein letztes «So». Draussen schneit es wieder. Morgen wird der Hang neu sein, und am späten Nachmittag dampft das Becken wieder in die Kälte.
Der perfekte Spätnachmittag
- 16.00Letzte Abfahrt, Ski in den Skiraum des Bergkristall.
- 16.15Im Bademantel hinüber — das Après-Ski-Ticket gilt mit dem Skipass vom Tag.
- 16.30Aussenbecken, 34 Grad, Schneeflocken im Gesicht.
- 17.00Aufguss in der Bergsauna, danach in den Schnee.
- 17.30Ruheraum. Tee. Nichts.
Gut zu wissen
- Öffnung
- 10–21 Uhr, Aufguss jede volle Stunde
- Wasser
- 34 °C, Aussenbecken mit Bergblick
- Saunen
- 4, davon eine Fasssauna im Wald
- Hinweis
- Nach dem Skitag zuerst trinken, dann schwitzen




